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Als Social-Media-Managerin gehört das Verfassen von Blogartikeln und Beiträgen zu meinem Tagesgeschäft. Ich liebe das Schreiben, stelle jedoch fest, dass sich heute sehr vieles verändert hat. In kürzester Zeit kann ich mit einer KI unglaublich viele Beiträge erstellen, für die ich vor drei bis vier Jahren viel Zeit in Recherche und die Erstellung gut lesbarer Texte investiert habe. KI-Texte sind zwar effizient, doch meist fehlt ihnen die Seele.
Was machen diese Veränderungen mit uns? Wie wirkt sich das auf die Qualität unserer Texte aus?
Für mich ist klar: Ich möchte gerade jetzt mehr schreiben, denn beim Schreiben bin ich ganz bei mir, reflektiere anders und schaffe Erinnerungen.
Macht es überhaupt noch Sinn, eigene Texte zu schreiben? Und wenn ja, kann ich mir die Langsamkeit erlauben?
Um Antworten auf diese Fragen zu finden und natürlich auch, um meinen Schreibmuskel zu trainieren, habe ich mich für diese Bildungsreise entschieden.
Ankommen und die Welt am Festland hinter sich lassen!
Wangerooge ist die östlichste der ostfriesischen Inseln. Schon die Anreise vom Fährhafen zum Bahnhof ist ein Entschleunigung. Nachdem alle Fahrgäste ihren Platz gefunden haben, legt die Fähre ab. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, der Wind weht mir um die Nase, und ich beobachte, wie sich die Fähre langsam dem Hafen nähert. Dort wartet eine kleine Inselbahn, die uns durch die Salzwiesen und vorbei an nistenden Vögeln zum Bahnhof der Insel fährt.
Was sagt mein Name über mich aus?
Um 19 Uhr, nach unserem ersten Abendessen geht es los. Wir sind 13 Teilnehmende und sind sehr gespannt, was uns in den nächsten fünf Tagen erwarten wird.
Wie heiße ich? Woher kommt mein Name und wie zufrieden bin ich mit der Namensgebung? Wir starten mit einer völlig unkonventionellen Vorstellungsrunde. Es ist spannend zu erfahren, wie wohl wir uns mit dem Namen fühlen, der uns mitgegeben wurde. Diese Art ist sehr nahbar und vermittelt bereits einen Eindruck von uns.
Schnell wird klar, dass ich wieder einmal die einzige Selbstständige in der Gruppe bin. Es gibt jedoch einen weiteren Exoten. Rolf ist 84 Jahre alt und seit Langem im Ruhestand. Er nimmt regelmäßig an Bildungsreisen teil. Lebenslanges Lernen ist für ihn ein wichtiges Thema, um geistig aktiv zu bleiben. Rolf tut genau das und ist voll in unsere Gruppe integriert. Die Gruppe braucht nicht lange, um sich kennenzulernen. Jede/r von uns ist ein besonderer Teil dieser Gruppe.
Mein Tipp:
Seit Februar 2026 ist es möglich, den Bildungscheck (2.0) zu beantragen. Das Land NRW unterstützt dich mit einer Förderung von 50% der Kurskosten bis maximal 500 Euro.
Alle Informationen findest du beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.
Lernen
Glaubenssätze: Schmeiß den inneren Kritiker über Bord!
Wir alle haben Glaubenssätze, die uns an unserem Handeln hindern und Schreibhemmungen auslösen können. Mithilfe von Morgenseiten können wir Wut, Enttäuschung und innere Glaubenssätze bereits am Morgen aus dem Weg räumen.
Aber Achtung: Morgenseiten sind weder ein klassisches Tagebuch noch Journaling mit schönen Schönschrift-Zitaten. Es geht darum, alles, was im Kopf herumschwirrt, ungefiltert aufzuschreiben: Wut, Enttäuschung, Banalitäten. Du schreibst dir den Weg frei und räumst den Ballast des Alltags aus dem Weg.
Und ganz ehrlich: Warum nehmen wir uns nicht einfach einmal die Zeit, unsere Glaubenssätze zu hinterfragen? Ist der Satz wahr? Ist das immer so? Und sehen andere Menschen mein Defizit?
Neuentdeckung der Gegenwart.
Welche Schreibgewohnheiten habe ich? Wo schreibe ich am liebsten? Kann ich mit leiser Musik eventuell besser schreiben als in der Stille?
Wir erforschen, ob unsere Schreibgewohnheiten zu uns passen oder ob wir neue Möglichkeiten für uns entdecken können. Ich bin meinen Impulsen gefolgt und habe neue Wege ausprobiert. So habe ich beispielsweise im Kaffee-Kontor geschrieben, einer wunderschönen kleinen Rösterei, in der ich Pippi Langstrumpf einen farbenfrohen Lebensabend gestaltet habe. Obwohl ich zu Hause einen festen Arbeitsplatz habe, habe ich festgestellt, dass ich auch auswärts an einem inspirierenden Ort schreiben kann.
Storytelling: Wie aus einer Figur und einem Konflikt Leben entsteht.
Nicht wegzudenken ist das Schreiben von Heldenreisen, die Geschichten zum Leben erwecken. Das Handwerkszeug klingt simpel, hat es aber in sich:
Eine Figur, ein Konflikt und die Suche nach einem Ausweg – mehr braucht es nicht für ein echtes Abenteuer.
Um meine Geschichte lebendig zu gestalten, gibt es viele Möglichkeiten. Von unserer Referentin Tina erhalten wir eine Menge Tipps, Ideen und Inspirationen, die wir in unsere Schreibprozesse zu Hause integrieren können.
Von Donald Trump im Aufzug bis zur alten Pippi Langstrumpf.
Wenn Fantasie keine Grenzen kennt.
Zum Abschluss unserer besonderen Reise nehmen wir zahlreiche gute Schreibtipps und Zukunftsstrategien mit nach Hause.
In den fünf Tagen sind wir eng zusammengewachsen und haben viele Geschichten gehört oder gemeinsam erzählt. Wir haben Geschichten von Thomas Gottschalk gehört, der in einem Krimi ein Grab ausschachtet, und davon, wie es ist, mit Donald Trump in einem Aufzug stecken zu bleiben. Wir haben erfahren, wie das Leben von Pippi Langstrumpf heute als alte Frau aussehen würde. Wir haben Hyazinth-Elfen kennengelernt und über zwiespältige Satzzeichen wie Semikolon, Gedankenstrich oder Ausrufezeichen gesprochen.
Begleitung: Wenn fachliches Know-how auf Begeisterung trifft.
Unsere Referentin Dr. Tina Lauer ist Autorin und Ghostwriterin. Mit ihrer fachlichen Versiertheit hat sie uns auf inspirierende Wege mitgenommen. Sie hat uns Mut gemacht und uns unsere Stärken aufgezeigt. Kurz gesagt: Sie war die richtige Referentin, um aus unserer Gruppe ein solch motiviertes und inspirierendes Team zu machen.
Wangerooge: Der perfekte Ankerplatz für Schreibende
Wangerooge ist mehr als nur ein Urlaubsziel. Es ist ein Ort, an dem der Kopf still wird.
Was diese Insel so besonders macht?
🌊Entschleunigung: Da es sich um eine autofreie Insel handelt, bestimmt hier nicht der Verkehr das Tempo, sondern der Wind und die Gezeiten.
🌊Inselbahn-Romantik: Schon die Anreise durch die Salzwiesen und vorbei an nistenden Vögeln lässt den Alltag am Festland zurück.
🌊Natur pur: Kilometerlange Sandstrände, weite Dünenlandschaften und die raue Nordsee lassen mich durchatmen und machen den Kopf frei.
🌊Historischer Charme: Der alte und der neue Leuchtturm ragen leuchtend in den Himmel und laden mich ein, hinaufzuklettern.
🌊Kreative Rückzugsorte. Ich finde sie in Strandkörben, in netten Gastronomiebetrieben und bei meinen Spaziergängen am Strand.
Mehr als nur ein Rückblick: Was bleibt, wenn die Fähre ablegt.
Tatsächlich war ich ein wenig traurig, als es hieß, Abschied zu nehmen. Unsere Gruppe ist in den fünf Tagen unseres Aufenthaltes eng zusammengewachsen. Wir haben viel gelacht und uns viel erzählt. Wir alle haben die Zeit genossen, werden in Kontakt bleiben und uns sicher auf einer unserer nächsten Bildungsreisen wiedersehen, denn eines ist klar. Diese Reise war für uns alle eine unvergessliche und schöne Zeit.
Was nehme ich mit?
Schon lange träume ich von einem Reiseblog. Ich möchte nicht nur reisen, sondern auch meine Heimat, das Ruhrgebiet mit all seinen Facetten, zeigen.
Auf Wangerooge ist eine ganz besondere Idee entstanden.
„Wir leben schon in einem schönen Land”, sagt mein Vater, während wir am Bernepark auf die renaturierte Emscher blicken, die im Ruhrgebiet auch liebevoll „Köttelbecke” genannt wird.
Mein Vater ist 82 Jahre alt. Seit letztem Jahr kann er sein geliebtes Fahrrad nicht mehr fahren und ist auf seinen Rollator angewiesen. Somit hat sich sein Bewegungsradius gravierend eingeschränkt.
Er ist ein Ruhrgebietskind, aufgewachsen in einer Zeit, in der die Industrie den Himmel schwarz gefärbt hat. Er hat miterlebt, wie sich das Ruhrgebiet entwickelt hat, und kennt sich hier aus wie in seiner Westentasche.
Einmal in der Woche hole ich ihn ab und wir unternehmen Ausflüge. Dabei erzählt und zeigt er mir, wie sehr er seine Heimat liebt. Diese Geschichten werde ich auf meinem Blog sammeln. Wenn ich genug davon gesammelt habe, werde ich ein Buch dazu veröffentlichen.
Die wichtigste Erkenntnis meiner Reise: Während eine KI Texte generiert, schreiben wir Menschen Geschichte. Ich freue mich darauf, die meines Vaters und meiner Heimat nun festzuhalten.