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Haltung zeigen in Zeiten von KI: Warum ich auf Social Media nicht mehr neutral bleibe.

Wir alle spüren die Veränderungen. Weltpolitische Ereignisse belasten uns. Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in unser Leben und ersetzt bereits heute Aufgaben und Rollen. Diese Entwicklungen bieten leider auch den idealen Nährboden für Falschinformationen, Spam und Phishing. Unser Misstrauen und unsere Ängste wachsen.

Diese Verunsicherung nehme ich auch in den sozialen Netzwerken wahr. Es gibt Menschen, mit denen ich lange im Austausch stand, von denen ich aber kaum noch etwas höre. Oft liegt das nicht an einem Algorithmus, der die Sichtbarkeit einschränkt. Es liegt daran, dass diese Menschen sich bewusst zurückgezogen haben.

Im vergangenen Jahr habe ich mich oft gefragt: Möchte ich Social Media weiterhin aktiv nutzen? Wie gehe ich mit diesen Veränderungen um? Kann ich es verantworten, diese Plattformen weiter zu unterstützen?

Spiegelbild einer verunsicherten Zeit: Die Ergebnisse meiner LinkedIn-Umfrage

Auf LinkedIn habe ich eine Umfrage dazu gestellt: 

Ich habe euch gefragt, wie ihr euch aktuell in den sozialen Medien verhaltet. 

Die Antworten spiegeln genau das wider, was ich täglich fühle:

📈30 Prozent ziehen sich zurück.

📈25Prozent bleiben neutral und machen weiter wie bisher.

📈45 Prozent zeigen Haltung und positionieren sich gegen das, was sie ablehnen.

Was mein Netzwerk bewegt

Die Ergebnisse meiner Umfrage sind das eine, die persönlichen Beweggründe dahinter das andere. In den Kommentaren auf LinkedIn wurde deutlich, wie sehr das Thema polarisiert, aber auch, wie tief das Bedürfnis nach Klarheit sitzt. Diese Stimmen zeigen die ganze Bandbreite zwischen Ohnmacht und Entschlossenheit:

💬„Ich würde ja gerne schreiben: Haltung zeigen. Aber ändert das wirklich etwas? In den letzten Jahren haben tausende Menschen gegen die Kriege demonstriert. Gebracht hat es nicht wirklich was, denn den kriegstreibenden Ländern ist die Meinung von einzelnen Personen egal.“

💬„Wir müssen Haltung zeigen! Wir reden mittlerweile über Lügen und Hass, der sich massiv durch Bots verbreitet. Umso wichtiger ist es jetzt, klar zu machen: Die sind zwar laut, aber nicht die Mehrheit!“

💬„Wer seine Werte kennt, kann auch ohne lange Recherche ein Gefühl für eine Haltung entwickeln. Es gibt nicht nur ‚entweder oder‘, sondern auch ’sowohl als auch‘.“

Was bedeutet „Haltung zeigen“ eigentlich?

Haltung bedeutet für mich nicht, dass wir jeden Tag laut schreien oder zu jedem politischen Thema eine tiefgreifende Analyse veröffentlichen müssen. Es bedeutet vielmehr, eigene Werte zu vermitteln. Haltung zeigt sich im Kleinen: indem wir Desinformation nicht unkommentiert stehen lassen, indem wir Empathie zeigen, wo Hass verbreitet wird, und indem wir klar kommunizieren, wofür wir stehen und was wir nicht tolerieren. Es geht um die Entscheidung, nicht mehr wegzusehen.

Warum „neutral bleiben“ für mich keine Option mehr ist

Noch vor wenigen Jahren hätte ich mich bei der neutralen Gruppe eingeordnet. 2018 habe ich mir selbst die Regel auferlegt, mich online nicht politisch oder polarisierend zu äußern. Heute stelle ich fest: Diese Regel funktioniert für mich nicht mehr.

Ich kann nicht zusehen, wenn Menschen Hass oder Missgunst verbreiten. Es fühlt sich falsch an, zu schweigen. Ich bin nicht der Mensch für lauten Aktionismus oder politische Demonstrationen. Aber ich rede mit. Ich positioniere mich so, wie es sich für mich richtig und gut anfühlt. Deshalb schließe ich mich heute den 45 Prozent an, die für ihre Haltung einstehen.

Unsere Menschlichkeit als Antwort auf die KI

Gerade in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz täuschend echte Inhalte generiert und automatisierte Bots die Kommentarspalten füllen, wird unsere persönliche Haltung zu unserem wichtigsten Alleinstellungsmerkmal. Eine KI kann Fakten sortieren oder Texte formulieren, aber sie hat keine moralische Instanz und kein echtes Mitgefühl. Unsere Authentizität und unsere Werte sind das, was uns als Menschen auf diesen Plattformen unersetzbar macht.

Ein Appell an die Stillen

Mein Appell richtet sich besonders an diejenigen, die über einen Rückzug nachdenken oder sich bereits unsichtbar gemacht haben. Bitte bleibt an unserer Seite. Hört hin und bleibt informiert, auch wenn ihr euch nicht aktiv einbringt. Wir brauchen euch hier, um die Menschlichkeit und Authentizität auf den Plattformen zu bewahren.

Ich bin überzeugt, dass echte menschliche Verbindung das ist, was am Ende bleibt. Findet euren eigenen Weg mit vielleicht reduzierter Aktivität, aber bleibt Teil dieser Gemeinschaft.

Warum ich das gerade jetzt schreibe

Mein Blogartikel ist für mich nicht nur eine Bestandsaufnahme. Er ist ein Versprechen an mich selbst und an mein Netzwerk.

In meiner täglichen Arbeit sehe ich, wie wichtig Vertrauen und echte menschliche Verbindungen sind. Wenn wir zulassen, dass Misstrauen und Anonymität die Oberhand gewinnen, verlieren wir das Wertvollste, was das Netz uns bieten kann: den echten Austausch von Mensch zu Mensch.

Im Gespräch bleiben

Haltung zu zeigen ist ein Prozess. Er erfordert Mut, Reflexion und manchmal auch die Bereitschaft, die eigenen Regeln zu revidieren.

Welchen Weg gehst du gerade in den sozialen Medien?

Ich danke allen, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben. Eure Offenheit hilft mir, meinen eigenen Weg klarer zu sehen.

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